Ablauf einer Phagentherapie
Jede Phagentherapie beginnt mit einer ausführlichen ärztlichen Beratung. Hierbei wird die bisherige medizinische Historie analysiert, insbesondere im Hinblick auf chronische Infektionen und bereits durchgeführte (oft erfolglose) Antibiotikabehandlungen. Ziel ist es zu klären, ob eine Phagentherapie im individuellen Fall medizinisch sinnvoll und umsetzbar ist.
Um die Therapie maßzuschneidern, muss der genaue Erreger identifiziert werden. Dazu wird ein Abstrich oder eine Probe der Infektion genommen und im Labor kultiviert.
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Das Antibiogramm: Prüft, gegen welche klassischen Antibiotika die Bakterien bereits resistent sind und wo noch Empfindlichkeiten bestehen.
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Das Phagogramm: Hier wird getestet, welche spezifischen Bakteriophagen in der Lage sind, genau diesen Bakterienstamm des Patienten anzugreifen und aufzulösen (Lyse). Da Phagen hochspezifisch wirken, ist dieser Schritt essenziell.
Sobald das Labor (oft in spezialisierten Zentren oder Phagenbanken) die wirksamsten Phagen identifiziert hat, wird ein individueller Phagen-Cocktail zusammengestellt und aufgereinigt. Dieser Vorgang kann einige Tage bis Wochen in Anspruch nehmen, da das Präparat strengen Qualitäts- und Sterilitätsanforderungen entsprechen muss.
Die Verabreichung der Phagen richtet sich nach der Art und dem Ort der Infektion. Sie kann auf verschiedene Arten erfolgen:
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Lokal/Topisch: Als Spülung, Creme oder Spray (z. B. bei chronischen Wunden).
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Inhalativ: Über einen Vernebler (z. B. bei chronischen Atemwegsinfektionen).
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Oral oder Intravenös: In seltenen, spezifischen Fällen unter strenger stationärer Beobachtung.
Die Anwendung erfolgt meist über einen festgelegten Zeitraum von mehreren Tagen bis Wochen, oft auch begleitend zu einer (noch wirksamen) Antibiotikatherapie, da sich Phagen und Antibiotika gegenseitig in ihrer Wirkung verstärken können (Synergieeffekt).
Nach Abschluss oder während der Behandlungsphase erfolgen regelmäßige Kontrollen. Es wird erneut eine Probe entnommen, um den Rückgang der Bakterienlast zu überprüfen.
Ein erneutes Antibiogramm ist hier besonders wichtig: Unter dem evolutionären Druck der Phagen mutieren Bakterien manchmal, um den Phagen zu entkommen. Dabei verlieren sie jedoch häufig ihre vorherigen Resistenzen und werden wieder anfällig für klassische Antibiotika. Sollte die Infektion noch nicht vollständig abgeklungen sein, kann die Therapie nun gezielt angepasst werden.
