Phagen sind sicher bei oraler Einnahme

Bakteriophagen, die auf Mikrobiota abzielen, lindern nichtalkoholische Fettlebererkrankungen.

Bakteriophagen, die auf Mikrobiota abzielen, lindern nichtalkoholische Fettlebererkrankungen, die durch stark alkoholproduzierende Klebsiella pneumoniae verursacht werden.

Früheren Studien haben gezeigt, dass stark alkoholproduzierende Klebsiella pneumoniae (HiAlc Kpn) im Darmmikrobiom eine der Ursachen für die nichtalkoholische Fettlebererkrankung (NAFLD) sein könnten. In Anbetracht der antimikrobiellen Resistenz von K. pneumoniae und der durch Antibiotika verursachten Dysbakteriose könnte die Phagentherapie aufgrund der Spezifität, die auf die Bakterien abzielt, Potenzial für die Behandlung von HiAlc Kpn-induzierter NAFLD haben. Die Wirksamkeit der Phagentherapie wurde bei männlichen Mäusen mit HiAlc Kpn-induzierter Steatohepatitis geklärt. Umfassende Untersuchungen einschließlich Transkriptomen und Metabolomen ergaben, dass die Behandlung mit HiAlc Kpn-spezifischen Phagen die durch HiAlc Kpn verursachte Steatohepatitis, einschließlich Leberfunktionsstörung und Expression von Zytokinen und lipogenen Genen, lindern konnte.

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Topische Phagentherapie in einem Mausmodell von Cutibacterium acnes-induzierten akneähnlichen Läsionen

Akne vulgaris ist eine häufige, durch Neutrophile verursachte entzündliche Hauterkrankung, bei der Cutibacterium acnes (C. acnes) bekanntermaßen eine Schlüsselrolle spielt. Seit Jahrzehnten werden Antibiotika in großem Umfang zur Behandlung von Akne vulgaris eingesetzt, was unweigerlich zu einer erhöhten bakteriellen Antibiotikaresistenz führt. Die Phagentherapie ist eine vielversprechende Strategie zur Bekämpfung der wachsenden Herausforderung durch antibiotikaresistente Bakterien, bei der Viren eingesetzt werden, die Bakterien spezifisch lysieren. Hier untersuchen wir die Machbarkeit einer Phagentherapie gegen C. acnes. Acht neuartige Phagen, die in unserem Labor isoliert wurden, und häufig verwendete Antibiotika eliminieren 100 % der klinisch isolierten C. acnes-Stämme. Die topische Phagentherapie in einem C. acnes-induzierten akneähnlichen Läsions-Mausmodell liefert signifikant überlegene klinische und histologische Werte. Darüber hinaus spiegelte sich die Abnahme der Entzündungsreaktion durch die verringerte Expression von Chemokin CXCL2, Neutrophileninfiltration und anderen entzündlichen Zytokinen im Vergleich zur infizierten unbehandelten Gruppe wider. Insgesamt weisen diese Ergebnisse auf das Potenzial der Phagentherapie bei Akne vulgaris als zusätzliches Instrument zu herkömmlichen Antibiotika hin.

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Erfolgreiche Behandlung eines chronisch infizierten und verschlossenen aorto-bifemoralen Dacron®-Bypasses mit Bakteriophagen (Snipha360)

Ziele: Transplantatinfektionen sind schwerwiegende und gefürchtete Komplikationen in der Gefäßchirurgie. Die chirurgische Resektion infizierter Aortentransplantate ist mit einer hohen Mortalität und Morbidität verbunden. Daher sind Alternativen zu einer unzureichenden Antibiotikabehandlung und ausgedehnten Operationen unverzichtbar.

Fall: Ein 66-jähriger Patient wurde mit einer Infektion eines chronisch verschlossenen aorto-bifemoralen Dacron®-Prothesenbypasses aufgenommen. Nach diversen transfemoralen chirurgischen Rekanalisationsversuchen zeigten sich in der Anamnese feindselige Gewebeverhältnisse auf beiden femoralen Seiten mit chronischer Wundinfektion und freigelegten Transplantaten. Lokale Infektion wurde durch PET-CT-Bildgebung bestätigt. Aufgrund der Begleiterkrankungen des Patienten war nur die alleinige Aufklärung des prothetischen Bypasses medizinisch indiziert und sinnvoll. Außerdem wollten wir die bilaterale femorale Wundheilungsstörung behandeln. Bakteriophagen wurden als alternative Therapieoption für die intra- und postoperative Therapie der transplantatbedingten Weichteilinfektion in Betracht gezogen. Nach Relaparotomie wurde die infizierte Aortenprothese exstirpiert und die Aorta vernäht. Bakteriophagensuspension wurde auf einen Tabotamb-Snow® geträufelt, der dann retroperitoneal platziert wurde. Nach Absetzen der femoralen Anastomosen wurde nach dem gleichen Prinzip beidseitig ein mit Bakteriophagen getränktes Vlies auf die femorale Seite gelegt. Die Wunden wurden mobilisiert und ohne weitere Drainage verschlossen. Nach 10 Tagen stationärem Aufenthalt konnte die Patientin mit subjektivem Wohlbefinden, reizfreien Wundverhältnissen und ohne systemische Entzündungsparameter entlassen werden. Die PET-CT-Bildgebung drei Monate nach dem Eingriff zeigte keine Anzeichen einer Infektion um die Aorta oder beide femoralen Regionen.

Zusammenfassung: Dieser Fall demonstriert die unterstützende antibakterielle Wirkung von Bakteriophagen in der septischen Aortenchirurgie und den erfolgreichen Sekundärverschluss chronisch infizierter Femurwunden bei Hochrisikopatienten.

Staphylococcus Aureus Sepsis; Transplantatinfektion; Phagentherapie; Antibiotika Resistenz

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Hoffnung auf Heilung – Phagentherapie in Georgien

Kann Dieter Offermanns Knie noch gerettet werden? Der 60-Jährige setzt viel Hoffnung auf ein Verfahren, das bei uns fast in Vergessenheit geraten ist und gleichzeitig ein großes Problem westlicher Medizin lösen könnte.

Die neue Waffe im Kampf gegen multiresistente Keime?

Immer häufiger versagen Antibiotika bei der Bekämpfung von Keimen, weil Bakterien resistent  geworden sind. Die Folge: Wunden, die nicht heilen oder lebensgefährliche Infektionen, die nicht in den Griff zu bekommen sind. Dringend wird nach neuen Lösungen gesucht. Bakteriophagen – Viren, die gezielt bestimmte Bakterien befallen und töten – könnten eine solche Lösung sein.

Was sich hinter der Phagen-Therapie verbirgt und warum diese Therapie in Deutschland noch nicht angewendet wird, darüber sprach „rbb Praxis“ mit Dr. Christine Rohde, Phagen-Expertin am Leibniz-Institut DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH in Braunschweig.

Wie funktioniert die Phagen-Therapie? Wie genau gehen Phagen gegen Bakterien vor?

Phagen arbeiten sehr spezifisch und gehen jeweils nur gegen eine ganz bestimmte Bakterienart vor, zum Beispiel gegen Staphylococcus aureus. Das ist ein Keim der unter anderem Lungenentzündungen hervorrufen kann und immer häufiger resistent gegen Antibiotika ist. Phagen erkennen die Oberflächenstruktur von Bakterien, so genannte Rezeptoren und binden an diese Stelle. Das kann man sich vorstellen wie ein „Schlüssel-Schloss-Prinzip“. Sie durchstechen dann die Bakterienoberfläche und injizieren ihr Erbgut in das Bakterium. Das Bakterium produziert daraufhin selbst ganz viele Phagen und platzt am Ende unter dem Druck der neuen Phagen-Generation. Dadurch wird die Bakterienzelle unwiderruflich zerstört.

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Phagen helfen bei „Albtraum“-Infektionen

Immer häufiger reagieren bakterielle Erreger nicht mehr auf Antibiotika. Dann kann mitunter eine Phagen-Therapie helfen, wie eine Studie zeigt. In Deutschland wird derzeit eine klinische Untersuchung vorbereitet.

Eine Phagen-Therapie kann bei der Bekämpfung schwer zu therapierender bakterieller Infektionen helfen. In einer Studie behandelte ein internationales Forschungsteam insgesamt 20 Patienten mithilfe sogenannter Bakteriophagen – also Viren, die Bakterien abtöten. Alle Teilnehmer hatten überaus hartnäckige bakterielle Infektionen. Bei elf Patientinnen und Patienten sei die Therapie erfolgreich verlaufen, berichtet die Gruppe um Graham Hatfull von der University of Pittsburgh im Fachblatt „Clinical Infectious Diseases“. Nebenwirkungen traten demnach nicht auf.

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Phagen: Bakterienfresser aus Georgien als Medizin von morgen

Was tun, wenn Antibiotika nicht mehr wirken? Betroffene aus aller Welt zieht es nach Georgien, um sich dort mit Bakteriophagen behandeln zu lassen. Inzwischen ist die Phagentherapie auch in Belgien möglich.

Tanja Diederen aus der Nähe von Maastricht in den Niederlanden leidet seit 30 Jahren an Hidradenitis suppurativa, einer chronischen Hautkrankheit, bei der sich unter Schmerzen die Haarwurzeln entzünden – häufig an intimen Stellen wie Achseln und Brust.

Im August 2019 traf die heute 50-jährige eine radikale Entscheidung: Sie setzte die immer schwächer wirkenden Antibiotika ab und reiste für zwei Wochen nach Georgien, um sich dort einer Behandlung mit Bakteriophagen zu unterziehen.

Mehr dazu: Mit grünem Tee gegen Antibiotika-Resistenzen?

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